Wer hätte gedacht, dass es auch bei uns in Aumühle im Sachsenwald … kleine Geheimnisse gibt … dunkle Dinge

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… über die man lieber nicht spricht,
die man besser hinter zugezogenen Vorhängen verrichtet, verhandelt.

Aber so ist es. Und man sollte wohl lieber nicht daran rühren, man sollte das Geheimnis ein Geheimnis sein lassen, so ist es Sitte. Schweigen ist Gold.

Oder doch nicht?

Nehmen wir unsere wunderschöne und ehrwürdige Kirche, gelegen an der Börnsener Straße, umgeben von hohen Bäumen, erbaut in den späten 20er Jahren, ein Rundbau mit vielen Dreiecken, die auf die Dreifaltigkeit Gottes verweisen. In den vergangenen Jahrzehnten wuchs hier eine protestantische Gemeinde heran, die rege und teilnehmend war – im lutherischen Geiste. Denn die Teilnahme ist, wie man weiß, im Protestantismus von größter Bedeutung. Das war von Anbeginn – seit Mitte der 60er Jahre die Idee –
aus der „Zuhörerkirche“ wird „Gemeindekirche“.

Und so haben wir eine überschaubare, aber treue Gemeinde von etwa 1700 Seelen, seit einigen Jahren auch stetig wachsend durch den Zuzug junger Familien – alles wunderbar.

Oder doch nicht?

Leider ereigneten sich in den vergangenen zwei Jahren einige Vorfälle, die wunderbar zu nennen sich einiges in mir sträubt. Vorfälle, die ein Licht werfen auf die sehr eigentümliche Art, wie Kirche und kirchliche Organisation in Aumühle – und darüber hinaus, weit darüber hinaus! – verfahren. Ich glaube, es ist wichtig, diese Vorfälle zu beleuchten, ich will das Schweigen brechen. Man wird mir an dieser Stelle nachsehen, wenn ich von mir spreche.

Ich wurde im Jahr 2012 Küster und war begeistert. Mein Leben lang war ich tiefgläubig und der Kirche eng verbunden. Ich stand unserem Pastor Suessenbach sehr nahe, ich fand es hervorragend, wie er im ökumenischen Handeln die Arbeit seiner Vorgänger fortführte und Menschen anderer Glaubensausrichtung und Protestanten zu integrieren verstand. Hier wurde Toleranz im Glauben gelebt, die Wortkirche war nicht alleinig seligmachend.

In dieser Gemeinde Küster zu sein, helfen und dienen zu können, das schien mir am Ende meines Arbeitsleben – denn ich war nachgerade 63 geworden – ein wunderbarer Ausklang. Aber es kam anders.

Ende 2014 verließ Pastor Suessenbach unsere Gemeinde um als Propst in Neustadt/Holstein seinen Dienst zu beginnen. Es trat die Pastorin Johanna Thode in die Nachfolge, dies war ihre Erst-Ordination, die erste Pfarrstelle. Was ich gut fand: Natürlich würde sie dies oder jenes anders sehen, ändern, aber wir würden voneinander lernen.

Dann kamen die Ostervorbereitungen. Es war der Ostersamstag, der 4. April 2015. Eine Durchlaufprobe für den Sonntag war anberaumt. Ich war – wie die anderen Beteiligten – Mitglied des „ehrenamtlichen Osterteams„. Wie seit acht Jahren zuvor. Mit gemeinsam erarbeiteter Agende für den Festgottesdienst. Wir hatten uns am Nachmittag in der Kirche getroffen, wir waren zu zehnt, sechs Erwachsene, vier Jugendliche.

Es gibt also Zeugen für das, was ich erleben musste.

Wir besprachen die Liturgie, die Tauferinnerung, die Fürbitte – dies sind gleichsam drei „Stationen“ des Festgottesdienstes. Bei allen drei Abläufen erklärte Pastorin Thode, sie wolle alles anders haben. Kühler, weniger feierlich. Ich war irritiert, ich stellte Fragen – übrigens in aller Höflichkeit. Sie reagierte, als hätte ich sie bespuckt. Alle meine Fragen, meine Einwände wurden beiseite gewischt, wie man etwas Lästiges fortwischt. Der Tonfall war sehr barsch. Wir als Osterteam wurden nicht akzeptiert. Etwa zur Mitte der Probe standen wir im Kirchenschiff. Meine Frau Karen unterhielt sich mit der Kantorin Bornholdt, ich stand daneben, ein wenig unglücklich.

Pastorin Thode saß in einer der Bänke und blätterte in ihren Papieren. Sie blickte in diese und jene Richtung, und dann rief sie laut: „So ein Arsch!“ Und damit rannte sie an mir vorbei, wechselte Worte mit der Kantorin und warf die schwere Kirchentür hinter sich zu. Der gläserne Windfang erzitterte. Ich war der einzige Mann in der Kirche zu jenem Zeitpunkt. Alle blickten zu mir. Denn offenbar war ich gemeint. Ich war „so ein Arsch“.

Weil ich Fragen stellte? Warum?

Das weiß ich bis heute nicht, und das ist kein schönes Gefühl. Es war auch nicht schön, dass die Pastorin, mit Unterstützung des Kirchengemeinderates, auf meine Entlassung drängte. Der Kirchengemeinderat spielte eine unrühmliche Rolle. Es gab keine Aufarbeitung.

Aber damit könnte ich leben; mein Glaube bleibt mir ja erhalten, auch wenn ich kein Küster mehr bin. Womit ich jedoch nicht leben kann, nicht leben will, das ist die Beleidigung. Weil ich finde, dass wir so nicht miteinander reden, so nicht miteinander umgehen sollten. Erst recht nicht, wenn der eine oder die andere mit Autorität ausgestattet ist. Autorität bedeutet eine umso größere Verpflichtung zum höflichen, fairen, menschlich richtigen Umgang. Wer mit der Autorität einer Pastorin ausgestattet wird, dieser Mensch sollte sich dreifach zügeln, finde ich, bevor er jemanden als „so ein Arsch“ tituliert.

Es gab dann Gesprächsversuche zur Klärung mit Vertretern des Kirchengemeinderates. Der Vorfall selbst jedoch wurde nicht weiter untersucht. Es gab keinen Besuch der Pastorin, die vielleicht erläutert hätte, dass sie einen schlechten Tag hatte, dass sie überfordert war – das hätte ich verstanden, das hätte ich als, nun ja, Art von Entschuldigung werten können.

Aber nach der Beleidigung einfach weiterzumachen, alles unter den Teppich zu kehren und ein Geheimnis daraus zu machen, das empfinde ich als zutiefst falsch. Wenn wir einfachen Gemeindemitglieder uns in derlei Situationen nicht wehren, wenn wir eine solche Demütigung hinnehmen müssen – was für eine Kirche soll das sein?

Ich habe von den höheren Stellen der Kirchenleitung keine Unterstützung erfahren.

Die arbeitsvertraglich vorgesehene Vermittlung durch den Kirchenkreisrat Lübeck-Lauenburg kam nur auf Druck durch das Arbeitsgericht zustande.

Von mir hat jedoch niemand eine Stellungnahme erbeten. Was also wurde vermittelt?

Zuvor informierte ich per E-Mail die zuständige Pröpstin Eiben und den Landesbischof Ulrich, erhielt jedoch von dort nicht einmal eine Eingangsbestätigung.
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Aber dabei will ich es nicht bewenden lassen. Ich würde gern weitergehen.

Ich schrieb eingangs von den kleinen Geheimnissen, die, so wünschen es viele, lieber unter dem Teppich bleiben sollten – nun, jetzt habe ich ein solches Geheimnis gelüftet, meine Geschichte erzählt. Und damit möchte ich eine Diskussion anstoßen.

Darum habe ich diesen Blog als Diskussionsseite eingerichtet, auf der jede und jeder sich gern beteiligen darf. Vielleicht liege ich falsch? Vielleicht war oder bin ich zu empfindlich? Oder hat jemand ähnliche Erfahrungen?

Meinungen und Gegenmeinungen sind mir willkommen. Ich möchte Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger zu Zeugen und vielleicht auch Beteiligten dieser Debatte machen.

Und die Kirchenleitung ist ebenfalls aufgerufen, dies nicht zu ignorieren, nicht im Schweigen zu verharren. Möglicherweise haben die Kirchenoberen Lust und Zeit, sich in diese Debatte einzuschalten.

Meine Geschichte ist vielleicht nur eine Geschichte von etlichen. Wenn wir nicht mehr schweigen, sondern viele werden, die sich einmischen, dann kann das nicht ignoriert werden.

Also, bitte – schreiben Sie Ihre Meinung; nur bleiben wir sachlich.
Betiteln wir uns nicht als ‚so ein Arsch‘. Das haben schon andere getan.

Und siehe, es war nicht gut.

Wolfgang Preller

 

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19 Kommentare zu Wer hätte gedacht, dass es auch bei uns in Aumühle im Sachsenwald … kleine Geheimnisse gibt … dunkle Dinge

  1. R.& J.Mielke, Reinbek sagt:

    Es ist traurig, wenn man als ältere Person von einen jüngeren Pastorin mit einem Vulgärausdruck bedacht wird, bei der man die Kenntnis von Anstand und Würde erwarten dürfte. Anscheinend ist nicht bekannt, wenn mit dem Zeigefinger auf jemanden gezeigt wird, dann zeigen immer drei Finger auf den Zeigenden zurück. Außerdem ist es eine altbekannte Tatsache, daß der Kuckuck immer seinen eigenen Namen ruft. Dieses Phänomen hat mein erster Enkel bereits mit drei Jahren vermittelt bekommen. Gute Wünsche an alle Beteiligten.

    • kga21521 sagt:

      Danke für gute Wünsche. Wie würden Sie helfen? Bekannte Tatsachen wiederholen ist wunderbar – Wiederholung bestärkt.
      Was sollte Kirchengemeinde, Kirchenkreis, Landeskirche tun, solch Verhalten zu würdigen? Unrecht zu hindern?

    • kmb sagt:

      Ich frage Sie: Ist es anständig zu urteilen, wenn man nur diese eine subjektive Schilderung kennt? Folgt man dann nicht leichtfertig der Devise: Wer nichts weiß, muss alles glauben?
      Vielleicht verhält es sich mit dem Text im Reinbeker und dieser Webseite auch so: Deine Zunge trachtet nach Schaden und schneidet mit Lügen wie ein scharfes Schermesser. (Altes Testament)

      Diese Webseite ist nicht der rechte Weg zur Versöhnung, sie führt zu mehr Unfrieden unter den Menschen

      • Frieden geht anders sagt:

        Das gesprochene Wort ist wie ein Pfeil, den man nicht zurückholen kann. Das gleiche gilt für den hier gestarteten Multimedialen Versuch – nach scheinbar erfolgloser Bemühung des Arbeitsgerichtes – einen Flächenbrand zu entfachen (nur so ist diese Aktion für einen unbeteiligten Dritten zu verstehen)! Der in Wahrheit richtige Ansatz für eine friedliche Klärung und Beilegung der persönlichen Angelegenheit, wäre zunächst die kritische Selbstreflexion und diese vermisse ich. So dass ich am Ende mir keinerlei Urteil bilden kann und will aufgrund fehlender Sachkenntnis. Meine Empfehlung bleibt der direkte Weg der Auseinandersetzung und nicht dieser.

      • kga21521 sagt:

        Diese Website ist ’nicht der rechte Weg‘ – das ist auch nicht beabsichtigt.
        Sondern Aufklärung des Fehlverhaltens des Arbeitgebers – damit dann wieder Frieden einkehrt.

      • Weyers sagt:

        Fragen Sie doch die Frau Pastorin, wenn Sie Zweifel an der Darstellung dieser Geschichte haben oder warten Sie auf eine evtl. folgende Gegendarstellung im Reinbeker, und verurteilen Sie nicht gleich die Menschen, die sich erlauben, dem Hilferuf ein wenig Unterstützung zu geben.
        Fakt ist doch, dass hier nicht miteinander sondern übereinander gesprochen wird, und eine Person anscheinend damit nicht zurecht kommt. Das ist das Problem und kann nur von den Beteiligten gelöst werden. Da braucht es keine alttestamentarischen Zitate. Heilig’s Blechle, wo sind wir denn ?

  2. Philipp Anz sagt:

    Ich bin erschrocken, über diesen Vorfall, in meiner Heimatgemeinde, in der ich getauft und konfirmiert worden bin. In der ich aufgewachsen bin und auf verschiedene, vielfältige Weise unter den Pastoren Arp, Laitenberger und einige Zeit Dr. Rößler, mitgewirkt habe. –

    Es wäre schön, wenn die Zeugen, sich äußern würden, – …. –

    Als, jetzt röm.-kath. Christ, zugehörig zur Domgemeinde St. Marien in Hamburg, kann ich nur zum Gebet einladen, „Komm, Heiliger Geist“, „Atme in mir, du Heiliger Geist!“ – wie es Augustinus tat! – Und, ich kann nur auf Worte die Papst Franziskus äußerte hinweisen: „Christus findest Du nicht in der Kirche, denn vielleicht ist dort ein mittelmäßiger oder schlechter Pfarrer/Pastor/Bischof und Du gehst deshalb nicht mehr hin, Christus findest bei den Armen, den Obdachlosen, den Arbeitslosen, den Bedrückten, den Behinderten und Einsamen!“ – Pastor Laitenberger hat jeden Kommunionsempfang beendet mit den Worten: „…. und vergesst die Armen und Bedrückten nicht!“ – …. –

  3. B. Harte sagt:

    Ich bin traurig darüber, dass es selbst innerhalb der Kirchengemeinden keinen Frieden und angemessene Konfliktbewältigung gibt. (Auch in Reinbek und Wentorf gab es schwere Zerwürfnisse.) Ich wünsche mir glaubwürdige PastorInnen, die Liebe und Demut vorleben. Manchmal denke ich, Macht- und Darstellungsgelüste sind in der Kirche überproprtional vertreten.

  4. Jürgen Dold sagt:

    Es wäre wünschenswert, wenn sich die betroffenen Parteien zeitnah am runden Tisch treffen könnten, um eine nachträgliche, sachliche Klärung dieser Angelegenheit zu ermöglichen, damit dieser Konflikt umgehend gelöst werden kann und für alle Seiten wieder Ruhe entsteht. Dabei geht es ja nicht um das „unter den Teppich kehren“ von gewesenen Tatsachen, sondern um einen konstruktiven Umgang mit Wahrhaftigkeit, Vergebung und Neubeginn, was ja auch wichtige Eckpfeiler der christlichen Botschaft sind. Wenn Außenstehende sehen, dass Christen -trotz aller Unterschiede- in Liebe und Wahrheit einander barmherzig begegnen, dann wird Kirche (wieder) glaubwürdig und anziehend. Frohe Weihnachten!

  5. Petra sagt:

    Es erschreckt mich zu lesen, im reinbeker und hier, dass eindeutig zwischenmenschliche probleme zweier menschen unglaublich einseitig dargelegt werden.
    Die welt dreht sich weiter, es gibt tod, kried und unglück in der welt und eine einzelperson beklagt ihr schicksal… unerträglich.

    • kga21521 sagt:

      beklagt ihr Schicksal … / so ist es nicht.

      Es geht um das Verhalten des Arbeitgebers: / Zitat …einfach weiterzumachen, alles unter den Teppich zu kehren und ein Geheimnis daraus zu machen, das empfinde ich als zutiefst falsch … Zitat/.

  6. Rolf sagt:

    Aha, hier wird zensiert und nur positive Kommentare dürfen stehen bleiben.
    Ich denke, da könnte man mal eine Gegenanzeige im Reinbeker schalten…
    Wer macht mit?

  7. HWG sagt:

    Ich bin ziemlich entsetzt.Wenn die Dinge sich wie geschildert zugetragen haben, und das schließe ich aus den sachlichen und keinesfalls emotionalen Schilderungen, dann hätte ich ein großes Problem mit der Pastorin und den Übergeordneten. Als Vorgesetzter wüßte ich was zu tun wäre.

  8. Badman sagt:

    Lieber Gott, gib den anderen auch alles, was die mir gönnen! Praktisch erinnern die teils „dumpfbackigen“ Kommentare mehr an eine Korsakoff’sche Phobie. Das christliche Establishment zeigt wieder einmal nach dem Motto „ein feste Burg“ auch in diesem vorliegenden Fall, seine gütige, abendländische Geschlossenheit und verdammt natürlich diesen einfältigen Whistleblower. Dabei wird dann ausnahmslos immer vergessen, dass selbst heilige Kühe auch nur Rindviecher sind. Der Test der protestantischen Zivilisation besteht in der Art, wie sie sich um ihre hilflosen Mitglieder sorgt.

  9. Ralf Hoppe sagt:

    Liebe Leserinnen und Leser, wir gehören fast alle einer Mehrheit an: Wir waren nicht dabei an jenem merkwürdigen Tag. Nur einige Personen waren zugegen; wir, der große Rest, wissen nicht, was wirklich vorfiel. Aber WENN es stimmt, was Wolfgang Preller da schildert, so haben wir es hier mit einem handfesten Skandal zu tun. Dann ist es hanebüchen und unerträglich, dass so eine Pastorin ihre Gemeindemitglieder beleidigt, schmäht. Falls es so war, müsste
    1. die betreffende Pastorin sich UMGEHEND dazu äußern;
    2. die Kirche unverzüglich reagieren, eine Aufklärung betreiben.
    Falls es nicht so war, falls also die Schilderung ein reiner Traum war, ein Alptraum, den Wolfgang Preller offenbar das Pech hatte zu träumen, dann verhält es sich ebenso. Wieso schweigen diese Leute? Ist Ihnen nicht klar, dass sie damit jedes letzte bißchen Anspruch und Ehre verspielen? Unmöglich. Das versteht jede und jeder: Hier muss man reagieren.

  10. Helga Scholz sagt:

    Unglaublich, was in der Kirche passierte. Ich hoffe, der liebe Gott wird es schon richten. Alles Gute.

  11. W. Metz sagt:

    Lieber Wolfgang, seit über einem Jahr weiß ich um deine Verletzheit, wenn auch nur in Kurzberichten. Jetzt aber ist das ganze Ausmaß deiner Kränkung sichtbar geworden. Die quälende Zurückhaltung ist durchbrochen.

    Ich weiß noch genau, mit welchem Enthusiasmus du die Aufgabe als „Custos“ in der Kirchengemeinde angetreten hast, der du schon lange in hoher Sympathie und ständiger Hilfsbereitschaft gedient und geholfen hattest. Es war für dich die Erfüllung eines Traumes! Dein Engagement für die Aufgabe war das Gegenteil von einem „Dienst nach Vorschrift“. Du hast immer mitgedacht zum Wohl der Gemeinde – und dabei vielleicht mehr zu beeinflussen versucht, als man einem Küster zuzugestehen bereit war. Jedenfalls als die neue Pastorin da war, die wahrscheinlich selbst an der Unsicherheit in ihrer Aufgabe als verantwortliche Gemeindeleiterin zu arbeiten hatte.
    Da entwickelte sich vielleicht eine Spannung „alt gegen jung“ oder „Mann gegen Frau“. So erkläre ich mir den unsäglichen Vorfall der Beleidigung, der doch sicherlich eine Vorgeschichte gehabt hat.

    Die Beleidigung „vor versammelter Mannschaft“ ist selbstverständlich ein Unding, das man zunächst nur als eine infantile Entgleisung verstehen kann, einer Amtsperson unwürdig. Man hätte eine sofortige Bitte um Verzeihung erwartet. Die statt dessen eintretende Verhärtung weist auf tiefer liegende Konflikte hin – wahrscheinlich u.a. der von dir erwähnte Dissens in Liturgiefragen. Dass die Pastorin als „Neue“ dabei einiges anders machen möchte als bisher üblich, um ein eigenes Profil aufzubauen, kann man bedauern oder vielleicht auch loben. Das musst du verstehen!

    Aber die Beleidigung. Sie überlagert dein Leben seit dem. Ich selbst dachte bisher (und praktizierte es auch so), ich sei gar nicht „beleidigbar“. Ich weiß, wer und was ich bin, und wenn jemand versucht, mich zu beleidigen, prallen seine Worte einfach ab. Wieso soll ich, nur weil jemand „schlecht drauf ist“, mich davon negativ beeinflussen lassen? Eigentlich sind die beleidigenden Worte das Problem dessen, der sie nicht zurückhalten kann, der nicht Herr der Lage ist. Wer jemanden beleidigt, sollte eigentlich derjenige sein, der sich dann schlecht fühlt. – Ich weiß nicht, ob unsere Pastorin sich in dieser Sache schlecht fühlt. Wenn ja, wäre es ein Leichtes gewesen, innerhalb eines Jahres eine Gelegenheit zu finden, um Verzeihung zu bitten. Und du, Wolfgang, hättest sicherlich mit Freude die ständig ausgesprochene Konsequenz befolgt: „Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Ein echt christliches Szenario!

    Wenn es aber so ist wie von dir beschrieben, scheint die christliche Haltung hier versagt zu haben. Ein ganzer Kirchengemeinderat mitsamt seiner Pastorin schafft es nicht, ein vergleichsweise kleines Problem auf die Weise zu lösen, die Grundlage ihrer Aufgabe ist! Sondern einen unbarmherzigen Weg zu wählen, um das Problem loszuwerden. – Vielleicht ist diese meine Bewertung zu vorschnell: Ich sollte erst die Argumente der Gegenseite kennen lernen. Leider konnte man aus dieser Richtung bisher nichts dazu hören – so der Kenntnisstand eines normalen Gemeindemitglieds. Bitte, jetzt müsste aber eine Reaktion kommen, und zwar zumindest gemeinde-öffentlich. (Ich meine, in der gestrigen Predigt der Pastorin versöhnliche Töne gehört zu haben, die vielleicht mit diesem Konflikt zusammenhängen: Das „aufeinander Zugehen“ als christliche Klugheit und Barmherzigkeit).

    Du prangerst noch eine Reihe weiterer Punkte an, die mit dem Vorfall nicht direkt zu tun haben, die aber wahrscheinlich infolge deiner erhöhten Sensibilität mit in den „Rundumschlag“ geraten sind. Sicherlich gibt es immer wieder Anlässe, sich zu ärgern – über schlechten Stil, über Änderungen liebgewonnener Zustände, über ignorantes Verhalten…. Damit muss man leben bzw. darüber diskutieren.

    Ich wünsche mir, dass der neue Kirchengemeinderat die Verantwortung wahrnimmt, die Altlast solcher Wunden zu heilen!

  12. NY 2004 sagt:

    Ich bin 12 Jahre alt und habe diesen Artikel in der Zeitung gelesen. Ich finde es unter aller Würde, in Gottes Haus sich so zu benehmen. ich wachse christlich auf und ich erwarte von einer Pastorin, dass sie sich disziplinierter verhält- dieses Verhalten kränkt Gott. Von einer Pastorin erwarte ich, dass sie sich würdevoll in Gottes Haus benimmt. Wir sind alle Gäste in Gottes Haus. Hoffentlich weist Gott der Pastorin den richtigen Weg, damit sie ihre Arbeit in seinem Haus ehrfürchtig fortsetzen kann.
    Was kann ein 12 jähriges Kind mit diesen Worten denn überhaupt bewirken? ich hoffe, dass Erwachsene sich auch von einem Kind etwas annehmen können.

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